Jane Austen – Die Abtei von Northanger

Ich wollte mir zwischen den eher trockenen Lektüren für meine Diplomarbeit einmal wieder leichte Kost zu Gemüte führen, um den Kopf ein bisschen zu entspannen und wieder meine angeborene Leselust zu befriedigen. Da ich den Film Stolz und Vorurteil sehr gerne mag, habe ich mir bereits vor einiger Zeit eine Jane Austen – Bücherbox gekauft. Letztens habe ich also das erste Buch daraus genommen und zu lesen begonnen.

Jane Austen schreibt aus ihrer Perspektive. Es gibt also keinen auktorialen Erzähler, sondern es ist offensichtlich sie selbst, da sie des öfteren ihre Hauptfigur als meine Heldin bezeichnet und sich auch einen kurzen Exkurs über die Schicklichkeit des Romanlesens leistet.

Dies ist auch gleich der Punkt, der mir nicht so gut gefallen hat. Wenn ich ein Buch lese – speziell einen Roman – möchte ich mich mit der Hauptfigur identifizieren, mich in sie hineinleben, mitfühlen, dabei sein, alles selbst erleben, das sie erlebt mit den intensivsten Gefühlen, die ich auch im wahren Leben empfinden könnte. Dies hätte Jane Austen auch wunderbar geschafft, würde sie den Leser nicht des öfteren durch ihre eigene Deutlichmachung wieder aus dem Buch „hinausreißen“. Immer wieder zwischendurch gelingt ihr das leider, durch Formulierungen wie „meine Heldin“ oder „der Leser möchte nun“… Nein! Ich möchte als Leser nichts anderes, als ab dem Zeitpunkt, an dem ich das Buch in die Hand nehme, in diesem Buch verschwinden und meine reale Welt möchte ich tunlichst dabei vergessen. Also kann ich es nicht gebrauchen immer wieder daran erinnert zu werden, dass ich nicht Teil dieses Romans bin.

Nachdem ich mich (widerwillig, aber doch) an diesen Stil so gut es geht, gewöhnt habe, konnte ich dem Buch jedoch sehr viel abgewinnen. Jane Austen schafft es außergewöhnlich gut die Welt ihrer Protagonistin darzustellen und ihre Naivität und Unschuld zu verdeutlichen. Catherine Morland ist eine überaus sanfte junge Frau, noch fast ein Mädchen, in ihrer Unschuld vollendet höflich und kindlich ängstlich etwas falsch zu machen und nicht mehr gemocht zu werden. Und das liebe ich! 🙂

Nicht so jedoch den Schluss. Man hat das Gefühl Jane Austen hätte keine Lust mehr gehabt und müsste deshalb in den letzten etwa 15 Seiten den Schluss so derartig niederbrechen, dass damit der ganze Text zerstört wird. Nein, der Schluss war eine Enttäuschung.

Aus Neugierde, wie das denn im Film umgesetzt sein könnte, habe ich auch versucht die Version aus dem Jahr 2007 zu schauen, aber bitte: tut euch das nicht an! Der Film so fürchterlich schlecht! Da ist das Buch doch noch um einiges besser, obwohl ich doch eher enttäuscht davon bin. Doch im Film kommt ihre sanfte Unschuld nicht zur Geltung. Nein, genug davon.

Kurz zum Inhalt: Catherine Morland fährt mit einem befreundeten Ehepaar ihrer Eltern nach Bath, um dort einige Wochen mit ihnen zu verweilen, das Leben in einer Stadt kennen zu lernen und natürlich nicht zuletzt, um dort vielleicht einen jungen Mann zu treffen. Sie befreundet sich schnell mit Isabella, einer entzückenden jungen Frau, die sich alsbald mit Catherines Bruder James verlobt. Auch Isabellas Bruder würde Gefallen an Catherine finden, doch benimmt er sich aufdringlich und Catherine hat bereits jemand anderen gesehen: Henry Tilney!

Die 291 Seiten beschreiben (soweit ich mich jetzt recht erinnere) etwa 10 Wochen aus Catherines Leben. Ihre Gefühle werden wunderbar ausformuliert und die Erlebnisse genau beschrieben. Deshalb verwundert es mich umso mehr, warum Jane Austen den Schluss so heruntergebrochen hat. Eine Satire auf Liebesromane konnte ich eher nicht erkennen, doch selbst, wenn ich versuche die einzelnen Stellen, die mir dabei in den Sinn kommen satirisch zu lesen und zu verstehen, gefällt es mir noch immer nicht besser. 😉

Aufgrund meiner doch regen Enttäuschung werde ich auch keine genaue Analyse dieses Buches schreiben (außer vielleicht, wenn es euch interessiert?). Ich empfehle es eher gemäßigt weiter. Nun weiß ich wieder, warum ich eigentlich lieber keine Romane lese.